House of Jazz soll kommen

Das deutsche House of Jazz scheint erstmals realistisch greifbar. Der Bund und das Land Berlin haben Fördermittel bewilligt, ein geeigneter Standort ist in Aussicht. Die Grundidee reicht rund fünfzehn Jahre zurück, als der international renommierte Trompeter Till Brönner vor einer schleichenden Marginalisierung des Jazz in Rundfunk, Fernsehen und Öffentlichkeit warnte und die Schaffung einer zentralen Institution nach internationalem Vorbild forderte – bewusst in Berlin.

Aus dieser Vision entwickelte sich schrittweise das Projekt eines House of Jazz. Mit Unterstützung der Deutschen Jazzunion und der IG Jazz Berlin konnte das Vorhaben politisch verankert und seit 2020 dauerhaft öffentlich gefördert werden. Ursprünglich war die Alte Münze in Berlin-Mitte als Standort vorgesehen, doch politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen verhinderten die Umsetzung.

Neue Perspektiven eröffnen sich nun mit der ehemaligen Kino- und Theateranlage L’Aiglon am Kurt-Schumacher-Damm. Der denkmalgeschützte Bau mit Theatersaal, Foyer und angrenzenden Gebäuden gilt als funktional und kulturhistorisch geeignet und befindet sich inzwischen im Besitz der öffentlichen Hand. Seine Struktur ermöglicht Konzertbetrieb, Proben, Verwaltung, Gastronomie und Vermittlungsarbeit an einem Ort.

Angesichts der weiterhin schwierigen Lage des Jazz in den Medien und der oft prekären Arbeitsbedingungen von Musikerinnen und Musikern könnte ein House of Jazz eine zentrale Lücke schließen und dem Jazz in Deutschland langfristig Sichtbarkeit, Struktur und Entwicklungsperspektiven geben.